Nähtipps für Anfänger

Nähtipps für Anfänger

Hier findest du meine Auflistung an Nähtipps für Anfänger und womöglich auch Fortgeschrittene, die ich persönlich gerne früher gewusst hätte. Und ein paar lustige Anekdoten dürfen natürlich auch nicht fehlen.

1. In Schnittmuster investieren

Ich weiß, es soll ein Hobby sein und man will erstmal gucken, ob das überhaupt was für einen ist, bevor man viel Geld investiert. Gerade weil man meistens ja erstmal eine Nähmaschine braucht, um überhaupt starten zu können. Das frisst je nach Maschine bereits zwischen 120€ und 450€. Du möchtest die weiteren Investitionen also erstmal geringer halten - glaube mir, ich verstehe dich!

Dennoch gibt es für mich rückblickend nichts wichtigeres als ein Erfolgserlebnis am Anfang. Und das blieb bei mir immer aus, wenn ich ein Kleidungsstück ohne Schnittmuster genäht habe. Auf Youtube findet man genügend Videos "Pumphose nähen ohne Schnittmuster". Aber gerade am Anfang weiß man nichts über die Proportionen, die Schnitteile haben sollten etc.

Ob du nun ein Schnittmuster für regulär 6,90 - 12€ kaufst, eins im Makerist Sale für 2€ holst oder ein gutes "Freebie" nimmst, gönne dir auf jeden Fall ein richtiges Schnittmuster! Denn genau am Anfang brauchst du die genauen Maße und Anleitungen, um ein gutes Erfolgserlebnis zu haben.

2. Keine Pumphose als erstes Projekt

Ich weiß, es ist Standard, dass das erste Projekt bei den meisten Nähanfängern eine Pumphose ist. Ich persönlich kann davon nur abraten.

Bei einer Pumphose, gerade bei einer kleinen, näht man mit wenig Platz, besonders um die Beinöffnungen und gleichzeitig einem hohen Zug auf dem Bündchen, das an die vergleichsweise weite Beinöffnung angebracht werden muss.

Bei mir sind ständig Stoffe verrutscht, weil ich meine Maschine noch nicht richtig zu bedienen wusste und den Stoff noch nicht richtig halten konnte. Und so gab es Löcher, unschöne Falten und sonstiges, was mir einen echten Dämpfer verpasst hat.

Ich würde daher tatsächlich einen Sweater als erstes Projekt vorschlagen.

3. Was man über Maschinen wissen sollte

Meine erste Nähmaschine war eine Overlock. Damals wusste ich noch nicht, dass eine Overlock Kanten versäubert und keine normalen Nähmaschinen-Nähte nähen kann. Daher folgte kurz darauf eine billige Nähmaschine für 120€.

Ich kann also sagen, als erste Maschine zum Nähen ist eine richtige Nähmaschine wichtig. Diese kann meistens auch einen Fake-Overlock-Stich, mit dem man Kanten etwas versäubern kann. Je nachdem was man für ein Budget hat würde ich mich hier dennoch in einem Geschäft beraten lassen und mir überlegen, was die Maschine alles können sollte, wenn du sie über die ersten drei Sweater hinaus verwenden magst. Ein Thema sind da bspw. Knopflöcher. 

Ziehst du das Nähen als längerfristiges Hobby in Betracht würde ich also ggf. in einem Preissegment zwischen 300-500€ für die erste Nähmaschine gucken.

Meine Nähmaschine für 120€ habe ich dann auch sehr schnell ausgetauscht.

Eine Overlock braucht man daher gerade anfangs nicht zwangsläufig. Wenn man ein Gewerbe anmelden möchte und seine Kleidung verkaufen möchte, sollte man aber spätestens dann über diese Investition nachdenken, da das - zumindest für mich persönlich - durchaus zu einer zu erwartenden Qualität gekaufter Kleidung dazugehören sollte.

Zum Thema Nähmaschine gibt es aber noch mehr zu sagen. Denn neben der Maschine spielen Garn und Nadeln eine große Rolle.

Ich weiß, auch hier wieder Geld was investiert werden muss, aber sei an dieser Stelle nicht geizig. Ein paar Euro für ein fünfer-Pack Maschinennadeln, die du für den Stoff deiner Wahl brauchst und ein paar Euro für ein hochwertiges Garn sollte drinnen sein. Denn die Wahl der richtigen Nadel beeinflusst entscheiden das Nahtbild sowie die Langlebigkeit der Stoffe. Für Jersey und French Terry/Sweat Stoffe empfehle ich Super Stretch Nadeln. Diese sind vorne rund und machen dadurch kein Loch in deinen Stoff sondern stechen durch eine freie Stelle im Gewebe. Nutzt du an dieser Stelle bspw. eine Universal Nadel, zersticht diese dir das Gewebe und somit entstehen an der Naht schnell Löcher.

Und um hier man eine peinlich lustige Anekdote anzuleiern - ich dachte ca. ein Jahr lang, dass Maschinennadeln einfach nur teure Stecknadeln wären... Bis ich auf einmal einen AHA-Moment hatte, leider ziemlich spät.
Aber zurück zu den wichtigen Themen.

Ein hochwertiges Garn ist auf der anderen Seite ebenso wichtig wie richtige Nadeln. Unter anderen für eine gute Fadenspannung, das Nahtbild und die Langlebigkeit deiner Naht. Hier sind 2€ gespart also vielleicht doch nicht wirklich gespart, wenn man auf lange Sicht denkt.

4. Investiere in einen Beamer

Wenn du schon etwas länger nähst und weißt, dass du dabei bleiben magst und vielleicht auch ein Gewerbe hast, dann ist dir vielleicht schon aufgefallen, wie viel Zeit, Papier und Druckerpatrone für Schnittmuster drauf gehen kann, wenn man diese druckt, zusammenkleben muss und dann ausschneidet - und das für jede Größe neu.

Hier kann ich dir nur ganz klar empfehlen auf einen Beamer umzusteigen. Mein Beamer hat ca. 80€ gekostet, so viel kosten für unseren Drucker zwei Druckerpatronen, die innerhalb eines halben Jahres leer waren. Aber auch alleine die Zeit und das Papier, die ich mir durch das Zuschneiden mit Beamer erspart wurden, lassen mich bereuen, dass ich mir nicht bereits vor zwei Jahren einen zugelegt habe.

5. Thema Stoffe

Es gibt mittlerweile so viele kleine und große Stoffshops mit tollen Designs, die mit noch besserer Qualität werben. Ich weiß, wie leicht man da gerade auch am Anfang direkt viel zu viel bestellen kann.

Ich kann dir aus eigener schlechter Erfahrung ganz klar empfehlen, deine Projekte gerade am Anfang wirklich zu Planen und dir zu überlegen, welchen Stoff du für was nutzen möchtest.

Kaufe außerdem nicht zu viel von einem Stoff und nicht zu viele Stoffe auf einmal, sondern baue diese immer wieder ab. Denn sonst stehst du ein paar Monate später mit einem vollen Stoffregal da, fühlst dich von der schieren Masse total überfordert und vor allem werden dir zu diesem Zeitpunkt einige der Stoffe gar nicht mehr gefallen.

Gerade im letzten Jahr haben viele Stoffshops an ihrer Stoffqualität aufgestockt und es ist ein neuer Standard entstanden. Der heißt für mich ganz klar Reaktivdruck. 

Ich persönlich kaufe keine Stoff mehr, die nicht im Reaktivdruckverfahren bedruckt worden sind, weil sich diese viel schneller auswaschen. Und was ist ein aufwendig hergestelltes Kleidungsstück, wenn es nach zweimal Waschen aussieht wie drei Jahre getragen...

Frage hier also gerne auch den Stoffshop deiner Wahl an, ob der Stoff, den du bestellen magst, reaktiv bedruckt ist und warte deren Antwort ab. Natürlich gilt dieser Tipp nur, wenn du dich mit dem Reaktivdruck identifizieren kannst.

6. Bleib am Ball!

Zu guter Letzt kann ich einfach nur sagen, dass Nähen ein wunderbares Hobby ist. Es ist kreativ und handwerklich. Aber es will erlernt werden. Und das lernt man am Besten durch Fehler. Also auch wenn du Fehler machst, mache immer weiter und lass dich nicht entmutigen. Mit jedem Teil wirst du es besser machen und irgendwann wirst du ein Kleidungsstück in den Händen halten, mit dem du richtig zufrieden bist und merkst - das alles war es wert.

Und jetzt teile gerne noch deine liebsten und wertvollsten Nähtipps in den Kommentaren, denn ich habe sicher noch einiges vergessen.

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